CLT steht für Cross-Laminated Timber, auf Deutsch Brettsperrholz. Es ist weder Sperrholz noch Spanplatte noch Brettschichtholz: Es ist ein großformatiges Bauteil aus mehreren Lagen massiver Bretter — ein Element, aus dem eine ganze Wandscheibe, Decke oder Dachfläche in einem Stück entsteht.
Was macht aus einer Holzplatte ein tragendes Bauteil?
Das Geheimnis liegt in der Kreuzlage. Bei der Herstellung werden 3, 5, 7 oder sogar 9 Lagen massiver Bretter so übereinandergelegt, dass die Faserrichtung jeder Lage um 90 Grad zur darunterliegenden gedreht ist; anschließend werden die Lagen unter hohem Druck verpresst.
Holz ist in Faserrichtung außerordentlich fest, quer dazu jedoch schwach, und es arbeitet bei wechselnder Feuchte ebenfalls vor allem quer zur Faser. Der kreuzweise Aufbau hebt genau diese beiden Schwächen auf: Die Platte wird in beiden Richtungen tragfähig, und die Lagen halten sich gegenseitig in Form, sodass sie formstabil bleibt.
In der Praxis heißt das: Eine CLT-Platte übernimmt gleichzeitig die Rolle des tragenden Bauteils, der Aussteifung und der Innenoberfläche — es gibt kein separates Ständerwerk, keine separate Ausfachung und keine separate Bekleidung.
Stark, aber leicht
Im Verhältnis zum Eigengewicht ist CLT außergewöhnlich tragfähig. Gegenüber einer Stahlbetonkonstruktion gleicher Tragfähigkeit ist es um ein Vielfaches leichter, was drei sehr greifbare Folgen hat:
- Geringere Gründung. Der leichtere Aufbau leitet weniger Last in den Boden, daher kann die Gründung oft einfacher und günstiger ausfallen.
- Einfacherer Transport und Hub. Die Elemente lassen sich in wenigen Tagen mit dem Kran versetzen.
- Größere freie Spannweiten. Es sind weniger Zwischenstützen nötig, der Grundriss wird freier.
Und der Brandfall? — die häufigste Frage
Hier halten sich die meisten Irrtümer. Massivholz verhält sich im Brand nicht wie eine dünne Latte: Seine Oberfläche verkohlt, und diese Kohleschicht wirkt als Dämmung und schützt das dahinterliegende, unversehrte Holz. Der Abbrand schreitet dadurch langsam und in berechenbarem Tempo nach innen fort — die Feuerwiderstandsdauer lässt sich deshalb bemessen, genau wie bei einer Stahl- oder Stahlbetonkonstruktion.
Stahl verliert seine Tragfähigkeit oberhalb einer bestimmten Temperatur dagegen verhältnismäßig plötzlich. Eine fachgerecht bemessene CLT-Konstruktion ist also nicht „gefährlicher" als eine herkömmliche — sie verhält sich lediglich anders, und dieses Verhalten ist der Fachwelt gut bekannt.
Worin unterscheidet es sich von herkömmlichem Mauerwerk?
- Trockene Bauweise. Es gibt keine Abbindezeit und keine eingebaute Baufeuchte, die austrocknen müsste.
- Millimetergenauigkeit. Die Elemente werden CNC-gefertigt; Öffnungen, Installationsdurchführungen und Anschlüsse sitzen bereits ab Werk an ihrem Platz.
- Kürzere Bauzeit vor Ort. Der Rohbau wird in Wochen gemessen, nicht in Monaten.
- Gebundener Kohlenstoff. Das Holz speichert das beim Wachstum aufgenommene Kohlendioxid über die gesamte Lebensdauer des Gebäudes.
Für wen eignet es sich?
CLT spielt seine Stärken dort aus, wo Präzision, Geschwindigkeit und planbare Energiewerte im Vordergrund stehen. Beim Einfamilienhaus bedeutet das eine kürzere Bauzeit und gut kalkulierbare Betriebskosten; beim Mehrfamilienhaus schaffen die leichte Konstruktion und die großen Spannweiten Freiheit.
Eines sollte man wissen: Die Bauweise funktioniert ab der Planung gut. Ein CLT-Haus lässt sich nicht „unterwegs" umplanen wie ein gemauertes — genau diese Disziplin sorgt aber dafür, dass das Ergebnis präzise und das Budget einhaltbar wird.